Kultur & Wein

das beschauliche Magazin

WIRAWÅXT 2020 Alte Weingeschichte jung verkostet


Jost Höpler mit dem WiraWåxt 2020 © Höpler GmbH.

Jost Höpler hat die drittälteste Weinmarke Österreichs wieder belebt


Man darf zu diesem hervorragend gelungenen Alterswerk gratulieren, das dem mittlerweile 82-jährigen Winzer Jost Höpler nunmehr mit dem zweiten Jahrgang eines ganz besonderen Weines gelungen ist. Das von ihm 1978 übernommene Weingut Höpler hat der alte Herr bereits 2004 an seinen Sohn Christof übergeben. Nicht, dass die 50 Hektar am nordwestlichen Ufer des Neusiedlersees zu wenig Arbeit geboten hätten, der Leithaberg stellt genügend Ansprüche an die Winzer, vielmehr war es die ehrende Erinnerung an den eigenen Großvater, die Jost dazu bewogen hat, die Weinmarke „WiraWåxt“ wieder lebendig werden zu lassen. 1932 ließ Höplers Großvater diesen Begriff bereits schützen, als drittälteste Weinmarke überhaupt, viele Jahrzehnte, bevor die heutige ÖWM mit Katzensprung, Badener Lumpentörl oder Poysdorfer Saurüssel die Landsleute zum Kauf und Verzehr österreichischer Weine zu animieren versuchte. Der mit „wie gewachsen“ ins Hochdeutsche zu übersetzende Name war damals wie heute ein offenherziges Echtheitsversprechen an skeptische Weintrinker. Diese Klientel darf zugegebenermaßen ihre Zweifel am Wahrheitsgehalt so manchen Tröpferls oder so mancher Perle hegen. Im Grund ist „WiraWåxt“ nichts anderes als der kürzeste Ausdruck für Jost Höplers einfache, bei näherem Hinsehen jedoch alles andere als leicht zu beherzigende Philosophie: Den besten Wein zu schaffen, den die Natur ihn machen lässt. 

 

2019 machte sich der in jeder Beziehung jung gebliebene Winzer unter dem Motto „Man ist nie zu alt für neue Ideen“ an den ersten Jahrgang dieses Markenrevivals. Jahrzehnte lange Erfahrung im Weinmachen ist Jost Höpler nicht abzusprechen, vor allem aber ist es Liebe, die er seinen Reben am Wiener Nussberg angedeihen lässt. Die Ried Untere Schoß mit ihrem traumhaften Blick auf die Stadt ließ die Trauben von Sauvignon Blanc, Pinot Blanc und Welschriesling bestens ausreifen. Sie wurden sanft gepresst, gemeinsam kühl vergoren und der junge Wein im Holzfass gereift. Das bestechende Ergebnis war ein „WiraWåxt“, der allerdings in kürzester Zeit seine Liebhaber gefunden hatte und ausgetrunken war. In Flaschen gefüllte Idylle und Tradition, vereint mit meisterlichem Winzerhandwerk, sprechen sich eben schnell herum. Gemeinsam mit seiner Familie, bei der er sich für die geleistete Hilfe bedankt, konnte Jost nun auch „WiraWåxt 2020“ präsentieren. Attestiert werden dem Wein sattes Strohgelb, in der Nase frische Rosenanklänge und am Gaumen kräutrige Würze, zarte Pfeffernoten, eine stoffige Struktur und ein langer Abgang. Mit 12,5 %vol. Alkohol trägt er genauso wenig üppig auf wie mit dem moderaten Preis von acht Euro pro Bouteille – für eine Rarität, mit der alte Weingeschichte verführerisch jung verkostet werden kann.


Familie und Freunde bei der Weinlese am Nussberg © Höpler GmbH.


Etikett des WiraWåxt 2020


Flaschenfoto des WiraWåxt 2020




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